Definition und Bedeutung:
Wartbarkeit (engl. Maintainability) ist ein Qualitätsmerkmal von Software, Systemen oder Maschinen, das beschreibt, wie einfach es ist, ein System zu modifizieren, Fehler zu beheben, neue Funktionen hinzuzufügen oder es an veränderte Anforderungen anzupassen, nachdem es in Betrieb genommen wurde. Eine hohe Wartbarkeit bedeutet, dass der Aufwand für diese Änderungen gering ist.
Sie ist ein entscheidender Faktor für die Total Cost of Ownership (TCO) einer Anlage, da die Wartungskosten über den Lebenszyklus oft die initialen Anschaffungskosten übersteigen.
Wesentliche Aspekte, die die Wartbarkeit beeinflussen:
- Modularität: Ein System, das in kleine, unabhängige Bausteine (Module) zerlegt ist, ist leichter zu warten, da Änderungen auf einzelne Module begrenzt werden können.
- Dokumentation: Eine umfassende und aktuelle Dokumentation (Lastenheft, Pflichtenheft, Schaltpläne, Kommentare im Code) ist unerlässlich, um das System zu verstehen und zu warten.
- Lesbarkeit des Codes: Gut strukturierter, kommentierter und symbolisierter SPS-Code ist leichter zu verstehen und zu ändern.
- Standardisierung: Die Verwendung von Industriestandards (IEC 61131-3, Feldbusse) und unternehmensinternen Standards vereinfacht die Wartung.
- Diagnosefähigkeit: Umfangreiche Diagnosefunktionen in Hardware und Software erleichtern die Fehlersuche.
- Zugänglichkeit: Physische Zugänglichkeit zu Komponenten im Schaltschrank oder an der Maschine.
- Versionsverwaltung: Nachvollziehbarkeit von Änderungen am Code und der Konfiguration.
- Wiederverwendbarkeit: Getestete Standardmodule sind einfacher zu warten als kundenspezifische Ad-hoc-Lösungen.
Relevanz in der Automatisierungstechnik:
Eine hohe Wartbarkeit ist in der industriellen Automatisierung von entscheidender Bedeutung, da Anlagen oft über Jahrzehnte in Betrieb sind und sich Anforderungen ändern können:
- Reduzierung der Wartungskosten: Geringere Personalkosten und Stillstandszeiten für Reparaturen oder Anpassungen.
- Schnellere Fehlerbehebung: Kürzere Reparaturzeiten durch einfache Diagnose und Modifikationen.
- Flexibilität: Die Anlage kann leichter an neue Produkte oder Prozesse angepasst werden.
- Wissenstransfer: Neue Mitarbeiter können sich schneller in das System einarbeiten.
- Langfristige Investitionssicherheit: Die Lebensdauer der Anlage kann verlängert werden.
Die Investition in eine hohe Wartbarkeit während der Entwicklung zahlt sich über den gesamten Lebenszyklus der Anlage aus.
→ Siehe auch: Softwarequalität, Modularisierung, Dokumentation, TCO (Total Cost of Ownership), SPS-Programmierung, Diagnose

