Definition und Bedeutung:
Die Einschwingzeit (engl. Settling Time) ist eine wichtige Kennzahl in der Regelungstechnik, die die Dauer beschreibt, die ein dynamisches System (insbesondere ein Regelkreis) benötigt, um nach einer Störung (z.B. Laständerung) oder einer Änderung des Sollwertes (Führungsgröße) einen stabilen Zustand zu erreichen und innerhalb eines definierten Toleranzbandes um den Sollwert zu verbleiben. Sie ist ein entscheidendes Qualitätsmerkmal der Regelung.
Die Einschwingzeit wird typischerweise als die Zeit definiert, nach der der Istwert (Regelgröße) des Systems innerhalb eines bestimmten Prozentsatzes (z.B. ±2 % oder ±5 %) des Sollwerts liegt und diesen Bereich nicht mehr verlässt.
Einflussfaktoren und Optimierung:
Die Einschwingzeit wird maßgeblich durch die Parameter des Reglers (z.B. P-, I-, D-Anteile eines PID-Reglers) und die Eigenschaften der Regelstrecke (Trägheit, Totzeit) beeinflusst.
- Optimale Regelung: Ein gut parametrierter Regler (z.B. durch Autotuning) zielt darauf ab, eine möglichst kurze Einschwingzeit zu erreichen, ohne dabei ein zu großes Überschwingen zu verursachen oder instabil zu werden.
- Kompromiss: Oft ist die optimale Einschwingzeit ein Kompromiss zwischen Schnelligkeit und Stabilität/Überschwingen. Eine sehr kurze Einschwingzeit kann zu einem größeren Überschwingen führen.
Relevanz in der Automatisierung:
Die Einschwingzeit ist in vielen industriellen Anwendungen von großer Bedeutung:
- Prozessregelung: In der Temperatur-, Druck- oder Füllstandsregelung ist eine kurze Einschwingzeit wichtig, um schnell auf Sollwertänderungen oder Störungen zu reagieren und die Prozessstabilität zu gewährleisten.
- Motion Control: Bei der Positionierung von Achsen oder Robotern ist die Einschwingzeit entscheidend dafür, wie schnell eine Achse ihre Zielposition erreicht und dort stabil verharrt. Dies beeinflusst direkt die Zykluszeit der Maschine.
- Qualitätssicherung: In einigen Prozessen kann eine lange Einschwingzeit zu Qualitätsproblemen führen, da das Produkt außerhalb der Toleranz bearbeitet wird.
- Produktivität: Eine kürzere Einschwingzeit bedeutet, dass der Prozess schneller wieder stabil ist und die Produktion fortgesetzt werden kann, was die Effizienz steigert.
Die Messung und Optimierung der Einschwingzeit ist ein wichtiger Bestandteil der Inbetriebnahme und Prozessoptimierung in der Automatisierungstechnik.
→ Siehe auch: Überschwingen, Regelkreis, PID-Regler, Regelgüte, Regelstrecke, Autotuning

