Definition und Messgröße:
Die Baudrate ist eine Maßeinheit für die Geschwindigkeit der Signalübertragung in einem Kommunikationssystem, insbesondere bei seriellen Schnittstellen. Sie gibt an, wie viele Symbole pro Sekunde über einen Übertragungskanal gesendet werden. Ein „Baud“ (nach Émile Baudot) ist die Anzahl der Signalwechsel oder Symboländerungen pro Sekunde.
Oft wird die Baudrate synonym mit der Bitrate (Bit pro Sekunde, bps) verwendet, insbesondere bei einfachen Modulationsverfahren, bei denen ein Symbol einem Bit entspricht. Bei komplexeren Modulationen kann ein Symbol mehrere Bits übertragen, wodurch die Bitrate höher sein kann als die Baudrate.
Relevanz in der Automatisierungstechnik:
Die Baudrate ist ein entscheidender Parameter für die Konfiguration und Funktion von seriellen Kommunikationsverbindungen in der Automatisierung:
- Serielle Schnittstellen: Bei Protokollen wie RS232, RS485 (z.B. für Modbus RTU) oder RS422 muss die Baudrate bei allen kommunizierenden Geräten (z.B. SPS, HMI, Sensor, Aktor) exakt übereinstimmen. Andernfalls ist keine Kommunikation möglich.
- Standardwerte: Gängige Baudraten sind 9600, 19200, 38400, 57600 und 115200 Bit pro Sekunde (bps).
- Geschwindigkeit: Eine höhere Baudrate bedeutet eine schnellere Datenübertragung, was für zeitkritische Anwendungen vorteilhaft ist. Allerdings kann eine zu hohe Baudrate bei langen Kabeln oder gestörten Umgebungen zu Übertragungsfehlern führen.
- Legacy-Systeme: In älteren Industrieanlagen finden sich noch viele Geräte, die über serielle Schnittstellen mit festen Baudraten kommunizieren.
- Fehlersuche: Bei Kommunikationsproblemen ist die Überprüfung der korrekten Baudrate (neben anderen Parametern wie Datenbits, Parität, Stoppbits) ein erster und wichtiger Schritt.
Für moderne Kommunikationssysteme wie Industrial Ethernet wird die Bandbreite in Bit/s oder GBit/s angegeben und ist in der Regel wesentlich höher als bei seriellen Verbindungen.
→ Siehe auch: Kommunikation, Serielle Schnittstelle, Modbus, Bit, Bandbreite

