Definition und Standard:
Die IP-Schutzart (International Protection Marking oder Ingress Protection Rating) ist ein international standardisiertes Klassifizierungssystem gemäß der Norm IEC 60529. Sie gibt den Grad des Schutzes an, den ein Gehäuse (z.B. von Automatisierungskomponenten, Schaltschränken, Feldgeräten) gegen das Eindringen von Fremdkörpern (Staub) und Wasser bietet.
Die IP-Schutzart besteht aus den Buchstaben „IP“ gefolgt von zwei Ziffern:
- Erste Ziffer: Schutz gegen feste Fremdkörper (und Berührungsschutz) von 0 (kein Schutz) bis 6 (staubdicht).
- Zweite Ziffer: Schutz gegen Wasser von 0 (kein Schutz) bis 9K (Schutz gegen Wasser bei Hochdruck-/Dampfstrahlreinigung).
Beispiele für IP-Schutzarten in der Automatisierung:
- IP20: Schutz gegen feste Fremdkörper >12,5 mm, kein Wasserschutz. Typisch für Komponenten im Schaltschrank.
- IP54: Staubgeschützt, Schutz gegen Spritzwasser aus allen Richtungen.
- IP65: Staubdicht, Schutz gegen Strahlwasser aus allen Richtungen. Standard für viele Feldgeräte, die direkt an der Maschine installiert sind.
- IP67: Staubdicht, Schutz gegen zeitweiliges Untertauchen in Wasser (1m Tiefe für 30 Minuten). Typisch für robuste dezentrale I/O-Systeme.
- IP69K: Staubdicht, Schutz gegen Wasser bei Hochdruck-/Dampfstrahlreinigung. Wichtig in der Lebensmittel- und Pharmaindustrie.
Relevanz in der Automatisierung:
Die IP-Schutzart ist ein entscheidendes Kriterium bei der Auswahl von Automatisierungskomponenten und beim Design von Maschinen und Anlagen:
- Betriebsumgebung: Die Schutzart muss zur Umgebungsbedingung passen (z.B. staubige Fabrikhallen, feuchte Bereiche, Nasszellen in der Lebensmittelproduktion).
- Zuverlässigkeit und Lebensdauer: Ein ausreichender Schutz verhindert das Eindringen von Verunreinigungen und Feuchtigkeit, die zu Fehlern oder Schäden an der Elektronik führen könnten.
- Sicherheit: Schutz des Bedienpersonals vor gefährlichen elektrischen Teilen.
- Compliance: Einhaltung von Normen und Vorschriften.
- Installationskosten: Höhere Schutzarten ermöglichen die Installation von I/O-Modulen oder Steuerungen direkt im Feld, was Schaltschränke und Verdrahtungsaufwand spart (z.B. Beckhoff EP-Serie, Siemens ET 200AL).
→ Siehe auch: Explosionsschutz (ATEX), Schaltschrank, Feldgerät, Remote I/O, Schaltschrank-Klimatisierung

